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Mai 2014

 

Bericht über den Besuch von Herrn Matthes

 

Im Mai 2014 führte die Klasse 10b im Geschichtsunterricht zum Themenkomplex "Alltag und Verfolgung in der DDR" ein Gespräch mit dem Zeitzeugen Detlef Matthes. Kimberly Gaebel verfasste einen Bericht über diesen Besuch.

Das aktuelle Thema unseres Geschichtsunterrichts handelt von der Zeit der DDR. Ein Zeitzeuge berichtete uns über sein Leben in der DDR, u.a. auch von seinem Aufenthalt in der Untersuchungshaftanstalt der Staatssicherheit der DDR in Hohenschönhausen.

Detlef Matthes (46) arbeitete, als Berlin noch zweigeteilt war, in einer Fabrik, in der Tag für Tag Tonnen für Tierfutter produziert wurden. Mit 19 Jahren musste er wegen Verdachts auf Spionage in Untersuchungshaft nach Hohenschönhausen, da er eine Konfrontation zwischen Menschenmassen und der Staatssicherheit am Brandenburger Tor fotografiert hatte. Es handelte sich um Menschen aus dem Ostteil der Stadt, die der Musik von dem dreitägigen Konzert, „Concert for Berlin '87“ im Westteil der Stadt lauschten. Detlef Matthes war einer von ihnen. Er dokumentierte die Ereignisse in Form von Fotografien und schrieb darüber einen Erlebnisbericht. Diesen versuchte er an das Politikmagazin "Kontraste" nach West-Berlin zu schicken. Der Bericht wurde jedoch von der Staatssicherheit abgefangen. Sechs Wochen später wurde D. Matthes zur „Klärung eines Sachverhalts“ von der Staatsmacht verhaftet. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung wurden weitere 180 verbotene Mauerbilder, die er zwischen '85 und '87 gemacht hatte, gefunden. Er hatte Glück. Dank einer Amnestie für alle politischen Gefangenen, die das Staatsoberhaupt der DDR, Erich Honecker, im Jahr 1987 erlassen hatte, blieb er nur sechs Wochen in Haft.

Viele Menschen litten nach längerem Aufenthalt im Stasigefängnis Hohenschönhausen an psychischen Problemen, so auch Detlef Matthes nach sechs Wochen Haft und 15 Vernehmungen.

Nach seinem Gefängnisaufenthalt stellte Herr Matthes einen Antrag auf einmaliges Ausreisen aus der DDR. Am Freitag den 26.02.1988 um 14:00 Uhr bekam er Bescheid, dass er bis spätestens 24 Uhr die DDR zu verlassen habe. Er musste innerhalb von zehn Stunden alle Versicherungen gekündigt und die DDR verlassen haben, sonst wäre er erneut ins Gefängnis gekommen. Er verabschiedete sich bei seinen Freunden und Bekannten und verließ die DDR.

Im Westteil der Stadt angekommen, musste er im Notaufnahmelager Marienfelde vor den Amerikanern vorsprechen, die ihn zu den Militäranlagen der DDR befragten.

Detlef Matthes versuchte sein Abitur nachzuholen, musste jedoch aufgrund seiner Posttraumatischen Belastungsstörung abbrechen. Er hat später sein Fachabi gemacht und ein Studium absolviert. Heute wohnt Herr Matthes in Berlin-Kreuzberg und seine Geschichte wurde gemeinsam mit vier weiteren als Comic im Buch „BERLIN - Geteilte Stadt“ veröffentlicht.

Die Geschichte von Detlef Matthes hat uns alle sehr berührt und bei vielen von uns ein stärkeres Interesse am Thema geweckt. Sein Vortrag war eine große Stütze für den Unterricht, denn es war eine positive Abwechslung, jemanden vorne stehen zu sehen, der über sein Leben berichtet, und nicht nur unpersönliche Quellen aus Büchern zu analysieren.

Kimberly Gaebel (10b)


Foto: © Detlef Matthes